Meltemi

„Dieser Wind beginnt im Juni bzw. Anfang Juli zu wehen, erreicht im Juli/August seine größte Stärke und flaut gegen Ende September/Anfang Oktober wieder ab.“ – So R.&L. Heikell in ihrem Kompendium „Griechische Küsten“ auf S. 47. So oder ähnlich findet man es auch in den gängigen Lehrbüchern oder Wetterbeschreibungen. 2024 und die Jahre davor zeigte sich jedoch ein modifiziertes Bild: Der Meltemi tauchte schon im Mai/Juni auf, nicht ganz so stark, aber oft mit 5 bis 6 Bft und verschwand teilweise im Hochsommer wochenweise. Das machte die Ägäis im Frühjahr ab und an recht ungemütlich, im Hochsommer unberechenbarer. Der Meltemi kommt aus dem Norden und kühlt, fällt er im Sommer aus, wird es unerträglich heiß.

Dennoch, der Meltemi ist vohersagbar: Auf den gängigen Wetter-Apps kann man den Hochkeil über dem NE – Balkan und das Hitzetief über der Türkei erkennen, ebenso das Monsuntief über dem Persischen Golf. Die Isobarenabstände sind dann nur noch entscheidend und ob sich an der Druckkonstellation über die Tage etwas ändert. Im Navtex oder dem Wetterbericht des Hellenic National Met. Service lies es sich dann so: „HIGH PRESSUREs 2024 COVERING NORTHEAST BALKANS AND LOW PRESSURES 1009 SOUTHEAST TURKEY“.

Meltemi ist ein türkischer Begriff und bedeutet „Brise“ oder „sanfter Wind“. Der Name ist bekannter als die griechische Bezeichnung „Etesien“ (von etos – jährlich). Wer ihn tage- und nächtelang mit 6 bis 8 Bft erlebt hat, wird nicht mehr von „Brise“ reden können. Er lässt nachts nur gering nach, um am nächsten Tag wieder voll zu ballern. Das macht den Unterschied: der Meltemi schläft dann nicht ein…. Beruhigend: Zu Beginn einer Meltemi-Periode ist der Wind am stärksten und wird dann von Tag zu Tag etwas schwächer.

Aufpassen bei folgenden Gebieten:

  • Südseite kahler Kykladeninseln und Fjorde in Nord-Süd – Ausrichtung: Fallwinde
  • Euböa, Kea, Andros, Tinos, Pholegandros, Ios, Amorgos, Sifnos, Serifos, Kos: Fall-Böen
  • Durchfahrt zwischen Euböa und Andros, Meerenge zw. Ikaria und Samos/Phournoi, Meerenge zw, Paros und Naxos, Nordküste von Amorgos, Westküste Karpathos: heftige Winddüsen.

Wer sich umschaut, findet folgende Anzeichen für den Meltemibeginn:

  • lockere Felder von Schäfchenwolken (Cirrocumulus )ziehen aus Südwest bis West am Himmel auf,
  • Blumenkohlwolken (Cumulus) morgens und vormittags über dem Festland,
  • Morgens kein Tau mehr an Deck,
  • Deutliche Sichtbesserung und steigender Luftdruck ( mind. 3 bis 4 hPa in 12 Stunden )
  • Anstieg auf 1018 + hPa -> mehrtägige Starkwindperiode wahrscheinlich.

Meltemi: Eine sorfältige Törnplanung und u.U. „Umwege“ sollten selbstverständlich sein…..