
24.11.2023: Geschlafen wie ein Bär nach 19 Tagen Ägäis.
Lakki, Hauptort der Insel Leros, ein besonderer Ort. Die Insel fiel im italienisch- türkischen Krieg 1923 an Italien und wurde Militär-/ Flottenstützpunkt. Mussolini ließ den Ort Lakki komplett schleifen und neu, planmäßig aufbauen. Der faschistische Baustil Italiens ist unverkennbar und entspricht den Ansichten des Lieblingsarchitekten von Mussolini: „Einfach, sauber, antidekorativ, antipittoresk, logisch, ungekünstelt, präzise….“



Man trifft den Baustil im ganzen Ort, manches total verfallen, manches halbkaputt ( siehe mittleres Bild: unten kleine Läden, oben verfallen ), andere noch ganz genutzt. Die Griechen haben das Beste daraus gemacht, ein bisschen Farbe und eine Taverne gehen allemal:

Auch eine Mussolini-Fassade kann eine gemütliche Taverne werden. Mittagessen: 11,- € ! Wahrscheinlich keine Pachtkosten für den braunen Altbau 🙂
Der Baustil wird übrigens im Netz unterschiedlich gewertet. Manche sehen darin den neuen Rationalismus oder Elemente des Bauhauses (sic). Doch interessant, wie Architektur gesehen wird, je nach politischer Färbung im Background….
Nach dem 2. Weltkrieg fiel die Insel an Griechenland, Lakki wurde Verbannungsort (Mikis Theodorakis war hier interniert). 1947 wurden die Kinder griechischer Kommunisten im Ort isoliert und ab 1957 schließlich die größte griechische psychatrische Klinik errichtet. Ca 2700 „psychisch Kranke“ fristeten hier ihr Dasein.
Beim mittäglichen Cappucciono in einem Cafe kam es aber dann mit meinen griechischen Tischnachbarn zum besonderen Gespräch: Das Lager am Ufer gegenüber der Lakki – Bucht.

Das fiel schon beim Einlaufen auf und war vor 10 Jahren, als ich das letzte Mal hier war, nicht da. Es ist das Flüchtlingslager, neu gebaut, mit EU – Geldern. Abseits des Ortes Lakki (man hat aus den Flüchtlingsunruhen in Kos gelernt) für 3000 Flüchtlinge gebaut. Bevor ich mit den Griechen das Gespräch suche, schaue ich nach Informationen im Netz. Vor dem Bau des Lagers waren die Flüchtlinge in der baufälligen ehemaligen Psychatrie untergebracht. Die unmenschlichen Verhältnisse dort waren vor Jahren an die Öffentlichkeit gedrungen, sodass das neue Lager gebaut werden musste. Es ähnelt scheinbar einem Hochsicherheitstrakt mit Betonmauern und aufgesetztem Stacheldraht, Überwachungskameras und computergesteuerten Türen. Aber: es gäbe sanitäre Anlagen, Wasser und Nahrung, was wohl in der alten Psychatrie nicht so gegeben war, viel starben dort. Mein Tischnachbar antwortet auf die Frage, wieviele Flüchtlinge dort seien, recht klar: „More than 2000.“ Alle aus diesem Jahr Mai bis heute. Ein anderer schaltet sich ein: Viele kämen mit dem Flugzeug in die Türkei und dann mit den Schlepperbooten zu den griechischen Inseln. Es sei unerträglich.., „it’s a big problem!“ Man wisse nicht, wer das alles bezahlt, der EU traue man sowieso nicht. An der Stelle wird klar, was hier hautnah erlebt wird, geht an die Substanz, nicht nur den Bewohnern von Leros, jetzt auch mir. Van der Leyen erhält vernichtende Urteile, ein anderer meint, es müsse sich schnell was ändern in der EU, so ginge es absolut nicht weiter, keine 2000 Flüchtlinge mehr im nächsten Jahr. Politischer Sprengstoff !!

Längseits in Lakki, kein einfacher Job.
23.11.2023: Ziel erreicht: Leros – Mata Iva in der Agmar Marina. Ägäis Crossing West nach Ost einhand. Ein bisschen Stolz und Glückshormone.

22.11.2023: Levitha
Kein Netzempfang, trotzdem gut geschlafen ! 🙂
18.10.2023 bis 22.10.203 : Amorgos, erholsame Tage in Griechenland gelebt.

Kilada – Porto Heli – Poros – Kythnos – Seriphos – Siphnos – Despotiko – Schoinousa – Amorgos. Ägäis Crossing. Noch ca. 55 sm bis zum Winterlager in Leros. Aber noch 2 Wochen goldener Oktober, ideale Segelzeit in der Ägäis.

Mata Iva an der neuen Pier gegenüber dem Dorfanleger. Schöne Tavernen, viel Ruhe, aber man braucht 20 Minuten zu Fuß zum Dorf. Klappfahrrad an Bord bewährt sich allemal.
16.10.2023: Es ist unfassbar, wie schön die Ankerbucht zwischen Nisos Despotico und Nisos Antiparos ist. Da will man gar nicht mehr weg.


Freitag kommt starker Südwind. Also bis Donnerstag Abend in Amorgos sein und dann mal schauen, wie der abgewettert wird. Wie immer wirds der Seegang bei Südwind in der Ägäis sein….
15.10.2023: Morgenstimmung

In der griechischen Antike war Sifnos durch Gold- und Silberbergbau zeitweise steinreich. Man hatte sogar ein Schatzhaus in Delphi. Heute Gaumengold: Wein- und Olivenanbau.
14.10.2023 : Sifnos , Ormos Vathy
13.10.2023
Abschied von Kythnos mit einem breiten Grinsen.Liegeplatzkosten mit Strom für 3 Nächte laut Hafenmeister 53,85 €. You need an invoice? No! 50,- € is o.k. ! Nahm und der Schein verschwand in der leeren Schublade. Es ist das Griechenland, das wir ja so lieben….. (?)
Koutals auf Seriphos ist im Oktober eine Sanatoriumsbucht. Allein vor Anker vor unzähligen Stränden zum Spazieren. Die Überraschung des Sonnenuntergangs. Hellas Sonne lässt das Land fast golden erleuchten.

11.10.2023
Der Anfang der West-Ostquerung der Ägäis ist gemacht. Von Kilada nach Poros und dann nach Kythnos. Dort wettert Mata Iva gerade 6 – 7 Bft, Böen bis 35 kts breitseitig ab. Ein Dank an den Anker….. bisher ! Letztes Aufbäumen des Meltemis? Prognose ab Freitag wie erhofft: Oktoberwinde aus südlichen und südwestlichen Richtungen 2 bis 5 Bft. Ideal für Ägäis-Crossing! Also nur noch eine Nacht mit heftigem Gezerre an Leinen und Anker: ich wills hoffen, die Perspektive wird die schlaflose Nacht erträglich machen 🙂
9.10.2023
Die polynesischen Perlenzüchter sagen oft, man erkenne eine schöne Perle manchmal erst auf den zweiten Blick. Die Bucht und das Dorf Kilada ( Koilada ) im Argolischen Golf ist sicherlich eine solche Perle. Es braucht etwas Zeit, bis man in dem nicht sonderlich attraktiven Dorf merkt, dass hier die Uhren noch anders gehen.

Fast kein Tourismus, keine laute Musik, keine Hektik und überaus freundliche und hilfsbereite Menschen. Das 1000 – Seelendorf lebt überwiegend noch vom Fischfang, der Fang wird mit kleinen Kühltransportern nach Athen ( 2,5 Stunden Fahrzeit ) transportiert und dort fangfrisch verkauft. Oktober bis Mai ist Hochsaison für die Fischerboote.

Einige wenige Cafés, ein kleiner Supermarkt und 2 Tavernen lassen das Landleben angenehm machen. Überhaupt ist der Argolische Golf in der Nebensaison ein tolles Segelrevier. Ab Mitte September wird es leer, der Oktober ist noch angenehm warm.

Straßenrerstaurant, aber spitze griechische Küche…..und um die Ecke ein alter Fischkuttermotor, als Übungsobjekt.

7.7.202
Mata Iva liegt im Boatyard Basimakopoulos in in Kilada und wartet auf den Oktober. Die Querung der Ägäis nach Leros ist auf diesen Monat verschoben. Die Rundung des Südpeloponnes, die ja bis Kalamata einhand gesegelt wurde, brachte neue Erfahrungen. Bis Mitte Mai z.T. starke Südwinde statt der normalen NW – Brisen. Tiefdruckgebiete, die aus Nordafrika kommend, über dem italienischen Stiefel nach Norden zogen und wechselhaftes Wetter in das Ionische Meer brachten und mich auf Parken in Vathy (Ithaka). Aber nicht nur mich, eine Crew der Zeitschrift Yacht wollte zur selben Zeit von Korfu nach Süden um den Peloponnes nach Athen und erlitt das selbse Schicksal: weiter als Zakynthos kam man nicht (Bericht in der letzten Yacht Nr. 15).
Westpeloponnes: Nach Zakynthos keine Charteryachten mehr. Mir begegneten in der Regel nur ein bis 2 Segelyachten pro Tag, dafür vielen kleine Fischerbooten. Der Peloponnes ist unheimlich grün, eine schöne Landschaft. Wenig sicher Buchten oder Häfen, gute Marinas bis Kalamata : keine!
Die erste wirklich idyllische Ankerbucht: Methoni ( Pylos kann man gestrost auslassen ! ). Dort allerdings gab die Ankerwinsch den Geist auf. 2,2 kg / m / Kette + 22 kg Ankergewicht ist handmade auf Dauer bandscheibenlastig, zumal man da ja pro Armezug nur so 40cm hochkriegt.
Der Elektriker in der Marina Kalamata ist nett, aber nur teilkompetent. Die Reparatur hielt 3 Tage, kostete aber mit Liegeplatzgebühren für 6 Tage ne Stange Geld. Bis Porto Heli also viel Handarbeit, erst dort dann eine neue Ankerwinsch, mit 1500 Watt auch ausreichend bestückt. Das klappt jetzt bei 90 m 10er Kette bis 16 m Wassertiefe. Die alte Winsch hatte nur 800 Watt, das erklärt im Nachhinein dann doch einiges !
4.6.2023
Kap Malea gerundet.

Der letzte Finger. Am Kap Malea scheiterte Odysseus der Sage nach im Sturm und irrte deshalb 10 Jahre im Mittelmeer herum:
„Und nun wär‘ ich doch heil nach Hause gekommen, aber als wir schon um Maleia lenkten, da warf uns plötzlich die Flut und der Strom und der Nordwind fern von Kythere. Und neun Tage trieb ich, von wütenden Stürmen geschleudert, über das fischdurchwimmelte Meer…“ (Homer, Odyssee). Die Gefährten verschlug es dann ins Land der Lotusblütenfresser.
Wir haben Poseidon am Kap geopfert, feinen Rotwein und Ouzo, hoffe er mag das.
Uns verschlägt es jedenfalls nicht in die Türkei. Erdogan hat die Wahl gewonnen…
1.6.2023
Der Mittelfinger des Peloppones (der Mythos um Tantalos und seinen Sohn Pelops ist ja schon grausam) erscheint recht verlassen, bis auf Häuser, die alle wie kleine Wehrtürme aussehen. Häuser der „Mani“, der Einwohner der Gegend. Gebaut im 18. und 19. Jahrhundert, als Wehrhäuser gegen andere Familien und Clans. Blutrache war in dieser Zeit hier Gang und Gäbe, foderte z.T bis zu 500 Opfer, bis die Ehre wieder hergestellt war. Neue Häuser, selbst Ferienhäuser und Hotels, werden heute in diesem Stil erbaut.

28.5.2023
Kalamata, nach der herrlichen Ankerbucht in Methoni. Kalamata sollte man dienstags oder freitags anlaufen, am nächsten Tag ist jeweils Wochenmarkt, sensationell ! Und das Eisenbahnmuseum in „Central Park“ : Der Besuch lohnt.
21.5.2023
Katakolon. Leider weht der Wind schon wieder aus der falschen Richtung. Wieder ein Tiefdruckgebiet über Sizilien. südliche Winde und Sandregen. Zum 2. Mal hab ich einen Sandkasten auf dem Schiff. Katakolon wird von den Kreuzfahrtschiffen wegen Olympia angelaufen. Als einfacher Touri kommt man entweder mit der Bahn, dem Taxi oder Shuttles gut zu den antiken Ausgrabungsstätten. Bei den großen Pötten ist das anders. Bevor hier das nächste Kreuzfahrtschiff anlegt, kommen schon 10 bis 12 große Busse auf die Pier. Mind. 50 Sitzplätze jeder, also ca. 600 Personen Richtung Olympia. Man sollte den Ort dann nicht besuchen, wenn gerade ein solches Schiff anlegt, es wird eng an der Kasse, bestimmt!
17.5. 2023
Start von Ithaka. Es gibt jetzt 3 Optionen: Erdogan verliert doch noch die Wahl, dann gehts in die Türkei. Gewinnt er, Leros im Dodekanes oder, wenn der Meltemi schon stetig weht, rund Peloponnes. Was wiederum nur geht, wenn der Kanal von Korinth im Sommer wie letztes Jahr vorübergehend öffnet und die Bauarbeiten einstellt. Spannend für alle Fälle bleibt die Umrundung des Kaps Malea.
Wilfried Erdmann, 9.Mai 2023
Ein ganz, ganz großer Segler ist auf seinen letzten Törn gegangen. Wilfried Erdmann ist tot ! Die Zeitschrift „Yacht“ schrieb einen Nachruf, wie er treffender nicht sein konnte. Was für ein Seglerleben ! Unkonventionell und einzigartig. Mich hatte vor Jahrzehnten vor allem sein Buch „Gegenwind im Paradies“ beeindruckt. Er schildert darin 3 Jahre Südseesegeln mit seiner Familie. Gerne hätte man dies so auch erlebt, aber wie bei vielen, die vom großen Segelabenteuer träumten, war die Zeit schon abgelaufen, der Alltag an Land hatte einem mit all seinen Verpflichtungen zu fest im Griff. Dennoch, zwei eigene Südseechartertörns wurden durch das Buch inspiriert und durch weitere Veröffentlichlichungen die Lust am Einhandsegeln. Erdmann hat viele Segler geprägt. Mata Iva, der Schiffsname ist angelehnt an ein Südseeatoll (siehe 2021), das wir 1996 besuchten.
Die „Yacht“ schreibt, Erdmann allererster Logbucheintrag lautete: „Was bin ich glücklich!“
Hier der Link: